21.
Jun
09

Daneben oder emma versteht es nicht

von Ben

Ich gebe gerne zu, dass ich schon so manches mal Gelegenheit hatte, mich über emma im Allgemeinen und Alice Schwarzer im Besonderen zu ärgern - besonders, wenn sie Unsinn in der Welt verbreiten, und ich mir ausmale, welchen Schaden sie damit womöglich Ihrem eigentlich ehrenwerten Anliegen zufügen. Auf ihren neuen Missgriff hat mich Fefes Blog aufmerksam gemacht (danke an dieser Stelle!). Emma lässt sich in einem aktuellen Beitrag auf ihrer Homepage über das neue Internetzensurgesetz aus. Mein Lieblingszitat ist - nachdem die Meinung von Josef Joffe wiedergegeben wurde, es handle sich bei der Sperrung von Internetseiten um Zensur:

Wohlgemerkt: Wir sprechen hier von Seiten, auf denen Säuglinge und Schulkinder vergewaltigt und gefoltert werden.

Das zeigt doch mal wieder, wie wenig bei emma verstanden wird und wie durchsichtig Propaganda gemacht werden soll. Abgesehen davon, dass ich persönlich keine Ahnung habe, was genau auf kinderpornographischen Seiten dargestellt wird (womit verbringen die emma-Redakteurinnen eigentlich ihre Freizeit?), Geht es eben nicht allein um Säuglinge und Schulkinder, sondern „nebenbei“ auch um Jugendpornographie und um graphische, also nicht realistische, Darstellungen. Und das ist nur der erste Schritt - in der CDU denk man mittlerweile laut darüber nach, auch “Killerspiele” und Tauschbörsen auf die Sperrliste zu setzen. Aber davon wollen Zensursula und emma nichts gehört haben. Der Polizeipsychologe Prof. Adolf Gallwitz weist schon den Weg (Zitat nach emma):

Wir müssen verhindern, dass Viertklässler selbstverständlich mit den unglaublichen pornografischen Bildern im Internet aufwachsen. Denn das wird die nächste Generation der Konsumenten.

Daraus entnehmen wir doch zwei Dinge: Erstens muss sämtliche Pornographie zensiert werden (so viel zum Thema Beschränkung auf Kinderpornographie; zweitens wird jeder Konsument von Pornographie automatisch zum Konsumenten von Kinderpornographie. Und der Mann ist wirklich habilitierter Psychologe? Dann beantrage ich hiermit den Ausschluss der Psychologie aus dem Kanon der universitären Fächer.

Zum Ende hin dann noch die ungnädige Forderung, der Chaos Computer Club möge seine Kompetenz doch nutzen, um selbst gegen Kinderpornographie zu kämpfen und die Polizei zu unterstützen. Wahrscheinlich ist es emma mal wieder entgangen, dass genau das geschehen ist, hat doch ein Mitglied des CCC die dänische Sperrliste untersucht und alle darauf befindlichen deutschen Server der berliner Polizei gemeldet – die daraufhin untätig geblieben ist.

Alles in allem wäre es besser, emma würde sich, statt in verfehlter weiblicher Solidarität Zensursula bei der Errichtung einer Zensurinfrastruktur zu unterstützen, ernsthaft mit dem Thema beschäftigen und das fordern, was unsere Kinder verdienen – Schutz, nicht Sichtschutz.

Nachtrag:
In einem älteren Artikel zum gleichen Thema findet sich folgendes Zitat:

Man kann es letzten Endes nur erschweren, nicht aber völlig verhindern, dass Menschen, de facto: Männer, im Internet auf kinderpornografische Seiten zugreifen.

Liebe emma, es mag Euch vielleicht entgangen sein - mangels ernsthafter Beschäftigung mit diesem Thema unterstelle ich - aber sexueller Missbrauch von Kindern (und der Konsum von Kinderpornographie) ist mitnichten ein männliches Phänomen. Die Täter mögen überwiegend Männer sein, aber nicht ausschließlich. Spart Euch also in Zukunft den Sexismus.

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